Projekte 2008

In Berlin

Internationale Projekte

 

EZ=Eurozentrismus?!

Im Wintersemester 2008/2009 fand unsere erste Veranstaltungsreihe an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Titel „EZ=EuroZentrismus?! Eine Reihe kritischer Auseinandersetzungen mit EntwicklungsZusammenarbeit“ statt. In zweiwöchigem Rhythmus luden wir ab dem 22. Oktober zu sieben Vorträgen mit anschließender Diskussionen mit den Referent_innen Jonas Kreienbaum (Doktorand der Geschichtswissenschaften), Dr. Grada Kilomba (Psychoanalytikerin und Autorin), Timo Kiesel (Master in Postcolonial Studies), Aretha Schwarzbach-Apithy (Erziehungswissenschaftlerin, Aktivistin in der Black Community und Mitbegründerin der Schwarzen Studiumsgruppe), Senfo Tonkam (Flüchtlingsaktivist und Doktorand der politischen Philosophie), den Dozentinnen Gesine Schmidt und Katrin Houda (Afrikawissenschaftlerinnen) sowie dem Privatdozent Dr. Dr. Jacobe Mabe (Politikwissenschaftler und Philosoph) ein. Schwerpunkte waren die Betrachtung der Entwicklungsideologien vor ihrem historischen Kontext, der deutsche Kolonialismus, koloniale Kontinuitäten, die Auseinandersetzung mit dem Fortbestehen rassistischer Bilder und Konzepte in Entwicklungszusammenarbeit und Spendenwerbung sowie Perspektiven für andere Formen der Zusammenarbeit bzw. ihre Abschaffung.

Mit den Veranstaltungen, die Teil des politischen Bildungsprogramms des Vereins waren, wollten wir anhand verschiedener Perspektiven ein kritischeres Bewusstsein für die Hintergründe, Praxen und Wahrnehmungen heutiger Entwicklungszusammenarbeit schaffen sowie zur Auseinandersetzung mit Kolonialismus und kolonialen Kontinuitäten anregen. Die Veranstaltungsreihe war nicht allein für Mitglieder von Commit Berlin konzipiert, sondern richtete sich sowohl an Menschen, die im entwicklungspolitischen Bereich aktiv sind, als auch an eine interessierte Öffentlichkeit. Die Veranstaltungsreihe sollte zur Reflexion und Hinterfragung eigener Bilder, Motivationen und Herangehensweisen anregen und bot gleichzeitig Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit eben diesen gängigen und gesellschaftlich kanonisierten Positionen und Informationen.

Genau wie viele der Zuhörer_innen fühlten sich auch die meisten Mitglieder von Commit Berlin während des Vortrags von Jonas Kreienbaum über die Rolle der deutschen Kolonialmacht noch relativ wohl auf ihren Plätzen. Schon zwei Wochen später aber als die Autorin Grada Kilomba aus ihrem neu erschienen Buch „Plantation Memories: Episodes of Everyday Racism“ (Unrast-Verlag, 2008) einige Passagen vorlas, entlud sich in dem Veranstaltungsraum ein erstes Spannungsfeld des Widerstands und der Ablehnung. Alltäglichen Rassismus kannte zwar jede_r, aber doch nicht von oder bei sich selbst!

Zwei Wochen später wurde uns von Timo Kiesel vor Augen geführt, welch stereotypisierten Bilder von Entwicklungszusammenarbeit und vor allem ihrer legitimierten Notwendigkeit wir jeden Tag durch Spendenwerbung und öffentlichkeitswirksamen Kampagnen blindes Vertrauen schenken. Der Vortrag von Aretha Schwarzbach-Apithy mit dem Titel „Kolonial-rassistische Tradition in weißer christlicher und säkularer Entwicklungshilfepolitik“ über die stetig vorherrschende Diskriminierung und geistige wie körperliche Kolonisation von Menschen innerhalb von weiß-westlichen Pädagogikkonzepten stieß sowohl auf Zustimmung als auch Skepsis. Senfo Tonkam, als Experte für Afrozentrizität, forderte für die afrikanischen Gesellschaften „Befreiung statt Entwicklungspolitik“ und verstärkte mit seiner Stimme die fundamentale Kritik an Strukturen der EntwicklungsZusammenarbeit, die mit dem Vortrag von Aretha Schwarzbach-Apithy bereits eingeleitet worden war. Die zunächst zweifelnden Blicke der Zuhörern_innen verwandelten sich in interessierte und fragende Gesichter. Im Anschluss nahmen einige Teilnehmer_innen die Einladung zu weiteren Diskussionen und zum Austausch mit den Mitgliedern von Commit Berlin und den Referent_innen am ‚Stammtisch‘ im nahe liegenden „Feuerwehrhaus“ an. Zurück blieb ein konstruktiver Zustand der Irritation und des Hinterfragens der eigenen Selbstverortung und der Vereinsarbeit bei allen Zuhörer_innen.

Nach der Winterpause referierten Kathrin Houda und Gesine Schmid über Rassismus in der EZ-Praxis, typische Verhaltensmuster weißer EZler_innen, sogenannte Bias-Fallen, die weiß Sozialisierte dringend verlernen müssen. In der letzten Veranstaltung der Reihe fokussierte PD Dr. Dr. Jacobe Mabe die persönliche Kommunikationsebene und die darin liegenden Handlungsmöglichkeiten für Individuen. Nach einem Kurzabriss über afrikanische Philosophiegeschichte, plädierte er an die Zuhörer_innen, ihren kritischen Verstand zu bemühen und sich für Freundschaften und gleichberechtigtes Zusammenwirken einzusetzen.

Nach diesem runden Abschluss waren nicht nur wir Commitler_innen tief beeindruckt von den Inhalten und Positionen, die wir kennen lernen durften und unglaublich froh, diese Reihe organisiert zu haben.

Die Veranstaltungsreihe hat dazu beigetragen, die selbstkritische Betrachtung unserer eigenen Arbeit bei Commit Berlin voranzutreiben und zu vertiefen. Der Prozess der Infragestellung eigener Projektgestaltungen und ihrer Durchführungen im Ausland ist sicherlich nicht mit dem Ende der Veranstaltungsreihe „EZ=EuroZentrismus?!“ abgeschlossen, sondern beginnt gerade erst, sich in einer grundsätzlichen Neustrukturierung und umfangreichen Auseinandersetzung über das eigene Selbstverständnis und die Positionierung im gesellschaftlichen Raum zu manifestieren.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Referent_innen für ihre informativen, aufschlussreichen, problematisierenden und kritischen Vorträge bedanken, die eine wichtige Grundsatzdiskussion im Verein Commit Berlin e.V. ausgelöst haben. Gleichzeitig danken wir auch den in so großer Zahl erschienen, interessierten Teilnehmer_innen sowie allen Förderinnen_Förderern, die diese Vortragsreihe unterstützt haben: Netzwerk Selbsthilfe e.V; dieGesellschafter.de , eine Initiative der Aktion Mensch; Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ); Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER) e.V., gefördert aus Mitteln des BMZ; Evangelischer Entwicklungsdienst e.V.; InWEnt gGmbH.

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Workshop mit Juliane Strohschein “Weißsein und Commit”

Was heißt Weiß? Warum bin ich weiß? Was hat das zu bedeuten? Hab’ ich ein Problem?

Das sind Fragen, die man sich so vielleicht nicht jeden Tag stellt. Man sollte es aber tun und man sollte es oft tun. Dass das unbedingt notwendig ist, zeigte uns ein Tag, den wir zu zwölft in einem workshop zum Thema „Weißsein und Rassismus“, gerade im Bezug auf die Arbeit von Commit unter der Organisation von Juliane Strohschein in Studierendenprojekträumen der HU Berlin teilten. Wir setzten uns von morgens bis abends mit Situationen auseinander, die wir selbst als bemerkenswert erkannt hatten und die uns im Gedächtnis geblieben waren. Die Situationen hatten alle eine Gemeinsamkeit: Irgendwo begann in jedem dieser kleinen Biographiefragmente der Moment, in dem sich ein ganz tief liegender und fest in unserem Selbstkonzept verwurzelter Rassismus bemerkbar zu machen begann. Subtil und ganz leise, kaum merkbar oder phänomenal laut, kaum merkbar!

Denn man bemerkt immer nur das, was man auch bemerken möchte!

Ich spreche einen schwarzen Deutschen auf Englisch an. Ich entgegne einer abwertenden, rassistischen Bemerkung meiner Oma nicht mit der gebotenen und entschiedenen Ablehnung. Ich benutze andere, falsche Beschreibungen um eine schwarze Bürgerin zu charakterisieren. Ich sitze einer schwarzen Frau in der U-bahn gegenüber und das erste was ich bemerke ist ihre Hautfarbe. Ich begleite ein sog. „Hilfsprojekt“ nach Afrika um zu „helfen“!

Dass wir Rassismus ablehnen, in diesem Lippenbekenntnis waren wir uns einig und wir versuchten uns an diesem Tag gemeinsam an den Punkt zu nähern, wo er beginnt und wo wir ihn nicht bemerken.

Auf dem Hintergrund Grada Kilombas Buchs „Plantation Memories – Episodes of Everiday Racism“ erschütterten wir uns gegenseitig mit den subjektiven Tatsachen unserer rassistischen Identitäten an Punkten, die wir diesbezüglich bisher für blinde Stellen gehalten hatten oder höchstens für schummerige Graubereiche. Dass man als Weißer aber ganz notwendiger Weise von einem strukturellen Rassismus in Deutschland profitiert und dass man mit seiner blinden Teilhabe an gesellschaftlicher post- oder gar neokolonialer Praxis Werte, Verständnisse und Normen verstärkt, bzw. mindestens zu deren Rekonstruktion beiträgt, wo man doch eigentlich genau auf das Gegenteil hinarbeiten möchte, waren höchst problematische Erkenntnisse, die wir uns zwar nicht erhofft, mit denen wir aber dennoch gerechnet hatten.

Wir hatten uns bereits zu Beginn des workshops klar gemacht, dass der Tag nicht schön werden würde. Wir wussten, dass uns unsere Gedanken und Erkenntnisse selbst verletzen, an unserem Selbstverständnis rütteln und als Selbstangriff erscheinen würden und dennoch versuchten wir, all das positiv zu verwerten.

Dass wir als Deutsche, als Europäer und als Weiße in einer kolonialen Tradition stehen, die uns in eine Lage bringt an der wir nichts ändern können, ist leider Realität aber genau die ist auch von der Möglichkeit gekennzeichnet, noch immer bestehende Kontinuitäten dieser Tradition aufzubrechen und uns anders zu definieren, als das Weiße seit jeher tun.

Diesen Weg zu finden, ist die große Herausforderung unserer sowie der kommenden Generationen. Jede_r einzelne ist dabei in der Verantwortung nicht dieselben Fehler zu begehen, die wir Weißen immer dann begehen, wenn wir uns für etwas Besseres halten, denn genau das tun wir noch immer!

Literaturhinweis:

Mythen, Masken und Subjekte: Kritische Weißseinsforschung in Deutschland von Maisha M. Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche und Susan Arndt, Unrast – Verlag

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"Camp International Unité" in Tomégbé/Togo

Einen Rückblick zu unserem Projekt im Sommer 2008 in Togo wird es bald hier geben.

Unsere Partnerorganisation in Togo: ASMERADE

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Bildungsprogramm auf der Importshopmesse

Vom 12. bis 16. November fand das diesjährige Entwicklungspolitische Bildungsprogramm auf der Importshopmesse statt, an dem wir uns zum zweiten Mal mit Schüler_innenworkshops zum Thema „Virtuelles Wasser“ beteiligten.

Bildungsarbeit im Shopping-Paradies

„Ich nehme dann… das Steak.“ – „Bist du dir da sicher?“ – „Ja.“

Dieser Entschluss wurde von den Teilnehmer_innen unseres Mittelstufenworkshops meist sehr schnell bereut, nämlich sobald der Käufer erfuhr, wie viel virtuelles Wasser und somit Spielgeld ein einziges Steak verschlingt.

Das besagte Spiel, das ähnlich wie ein Monopoly-Spiel funktioniert, war Teil eines der drei Workshops, die die Gruppe „Global Politische Bildungsarbeit“ (GPB) für den diesjährigen Importshop vorbereitet hat. Neben dem üblichen extensiven Shopping-Angebot konnten sich Schulklassen auch in diesem Jahr wieder für eine Vielzahl von Workshops anmelden, die von unterschiedlichen NRO vorbereitet worden waren.

Die von Commit durchgeführten Workshops standen unter der thematischen Überschrift „Virtuelles Wasser“. Ziel war es, bei Kindern und Jugendlichen der dritten bis dreizehnten Klasse ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie viel „unsichtbares“ Wasser sie durch den Konsum alltäglicher Produkte verbrauchen, sowie Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dabei schlugen Produkte, die viel virtuelles Wasser verbrauchen, beispielsweise das Steak in dem für den Mittelstufenworkshop konzipierten Spiel, ordentlich zu Buche. Schließlich wird bei der Herstellung eines Rindersteaks auch eine große Menge virtuellen Wassers zur Bewässerung von Futterpflanzen für die Kuh, den teils weiten Transportweg und ähnliches, verbraucht. Genau genommen beträgt diese Menge 4.500 Liter.

Die Grundschüler_innen hingegen konnten anhand eines von uns gestalteten Comics mehr über die Problematik erfahren, die sich aus dem Anbau wasserreicher Produkte (wie z.B. Rosen, Kakao, Kaffee) in ohnehin wasserarmen Ländern ergibt. Anhand einer Geschichte über die Kinder Lisa und Max wurden ihnen einige Informationen über den Rosenanbau in Kenia und die sich daraus ergebenden Probleme vermittelt. Mit den Oberstufenschüler_innen wurde die Problematik in einem Planspiel noch weiter vertieft.

Alles in allem gab es von Schüler_innen sowie Leiter_innen der Workshops meist positive Rückmeldungen. Viele Schüler_innen waren erstaunt über die gewaltigen Wassermengen, die wir alle Tag für Tag verbrauchen. Dies gab uns wiederum das Gefühl, unserem Ziel, ein gewisses Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen, zumindest ein Stück näher gekommen zu sein. Mit diesem Fazit lassen wir fünf ereignisreiche Tage Importshop hinter uns und schauen zuversichtlich ins nächste Jahr.

Weitere Informationen zur Messe und zum Bildungsprogramm findet ihr unter www.weltweitwasser-mangelware.com.

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Workshops zum Thema Conflict-Awareness und zivile Konfliktbearbeitung

Im Rahmen unseres kulturellen Austauschprojektes mit CRY Uganda und der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit von Commit to Partnership Berlin e.V. konnten uns im Juni zwei Mitarbeiter unserer Partnerorganisation Conflict Resolution by Youth (CRY) Uganda aus Kampala besuchen.
Am 17., 18., und 19. Juni 2008 hatten sie die Möglichkeit ihr Wissen und ihre Arbeitsweisen in den Workshops ‚Understanding & Working With Conflict’ und ‚Working With Conflicts: Skills and Strategies’ mit Studierenden und Vertreter_innen Berliner NGOs zu diskutieren.
Diese Workshops boten allen Interessierten die Möglichkeit mehr über CRY und Commit zu erfahren.  Fast 40 Teilnehmer_innen diskutierten in Gruppen zur Working Definition von Konflikten und entwickelten zwei Rollenspiele. Auch die Konfliktanalysetools wurden in drei Gruppen diskutiert und später von den Teilnehmer_innen vor der großen Gruppe präsentiert. Schließlich fand ein reger Austausch über verschiedene Konfliktlösungsstrategien statt.
Commit Berlin hat damit erfolgreich einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung eines kulturellen Austauschs auf gleicher Augenhöhe getan. Wir freuen uns sehr, dass dieser für alle Beteiligten eine große Bereicherung war und so gut gelungen ist.

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Capturing Concerns - Capturing Perspectives

Die Ausstellung Capturing Concerns - Capturing Perspectives wurde in Kampala, Uganda und in Berlin gezeigt. Hier gibt es eine Reportage über die Austellung in Kampala.

Die Ausstellung „Capturing Concerns – Capturing Perspectives“ zeigte die Ergebnisse eines partizipativen Fotografieprojekts, welches im Rahmen eines interkulturellen Bildungsprogramms von Commit to Partnership Berlin e.V., Conflict Resolution by Youth Uganda (CRY) und dem Rainbow House of Hope Uganda (RHU) im Frühjahr 2008 in Berlin sowie in Kampala/Uganda durchgeführt wurde.

Das Fotoprojekt verfolgte das Ziel, einen interkulturellen Austausch unter Jugendlichen aus Kampala und Berlin anzuregen und den Fotograf/innen wie auch den Betrachter/innen einen Einblick in die jeweilige Lebensrealität von Jugendlichen in den beiden Städten zu ermöglichen. Durch das Fotografieren sowie die Auswahl und Diskussion der Bilder wurde den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, sich sowohl über Probleme und Sorgen des alltäglichen Lebens als auch über Lösungsmöglichkeiten, Freuden und Zukunftsaussichten auszutauschen.

Die Fotografien geben einen außergewöhnlich ästhetischen Einblick in das Leben junger Menschen und können durch die Frische und den Erfindungsreichtum der jungen Fotograf/innen überzeugen. Die Qualität der Bilder liegt in ihrer unglaublichen Ausdruckskraft, wobei es erstaunlich ist, dass sich die Jugendlichen zuvor nie umfassend mit dem Medium der Fotografie auseinandergesetzt haben, bzw. einige der jungen Teilnehmer/innen zum ersten Mal die Möglichkeit hatten, selbst Fotografien anzufertigen.

Die Ausstellung zeigte eine Auswahl von 40 Bildern, die im Rahmen des interkulturellen Bildungsprogramms im Frühjahr 2008 in Berlin und Uganda entstanden sind.

Die Fotografien aus Berlin wurden von Jugendlichen aus verschiedenen Schulen und Jugendzentren im Januar 2008 angefertigt. Die Bilder aus Kampala entstanden während der Arbeit eines studentischen Freiwilligenteams in Uganda im Frühjahr 2008 mit Jugendlichen aus dem Stadtteil Nsambya in Kampala.

 

Warum Fotografie

Fotografie ist ein Medium, das Spaß macht und die Möglichkeit bietet, sich auf unkonventionelle Weise mit Themen zu befassen. Gerade im Bereich Konfliktbearbeitung stellt sie ein ideales Medium dar. Ein jeder kennt die Gefühle, die durch Unterdrückung oder Bedrückung verursacht werden. Oft kann man den konkreten Grund dafür jedoch nicht benennen oder hat keine Möglichkeit, darüber zu sprechen. Die Auseinandersetzung mit den Ursachen ist ein erster und wichtiger Schritt zum besseren Umgang mit der jeweiligen Konfliktsituation. Umgekehrt ist auch die Auseinandersetzung mit positiven Aspekten wie  Befreiung oder Erleichterung wichtig, um sich des eigenen positiven Potentials bewusst zu werden und dann aktiv in einer Konfliktsituation handeln zu können. Fotografie als Methode zeichnet sich in diesem Zusammenhang vor allem dadurch aus, dass sie jedem/jeder einzelnen Projektteilnehmer/in die Möglichkeit bietet, sich zuerst alleine und individuell mit der eigenen Situation zu beschäftigen. In reinen Diskussionsrunden ist die Zeit dafür oft nicht gegeben, da die Notwendigkeit unmittelbar und spontan zu agieren, einige Teilnehmer/innen hemmen kann.

In einer Besprechung der Bilder hat abschließend jeder die Möglichkeit anhand seiner Fotografien die eigene Situation zu beschreiben. Gerade emotionale Faktoren, die sich sprachlich oft nicht ausdrücken lassen, können so den anderen Teilnehmer/innen vermittelt und verständlich gemacht werden. Vor allem im interkulturellen Austausch spielt die Vermittlung von emotionalen Faktoren auf der visuellen Ebene eine wichtige Rolle, da sie sich über sprachliche Barrieren hinwegsetzen kann.

Die Besprechungsrunden dienen also dazu, Denkprozesse auszulösen, interessante Diskussionen anzuregen und so zur Auseinandersetzung mit Konfliktlösungsmöglichkeiten zu motivieren.

Das Projekt

Als Teil eines sechswöchigen Projekts zu den Themen Konfliktbearbeitung und Friedensbildung wurde Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren die Möglichkeit gegeben, sich mit Konflikten, die sie in ihrem Alltagsleben betreffen, fotografisch auseinander zusetzen. Der Austausch über Probleme und etwaige Lösungsmöglichkeiten sowohl in der eigenen Gruppe als auch auf interkultureller Ebene sollte die Jugendlichen für Konfliktpotentiale sensibilisieren und ihnen so einen konstruktiven Umgang mit diesen ermöglichen.

In einem einführenden Workshop wurden die Teilnehmer/innen gebeten, sich zu den Themenfeldern „Unterdrückung“ und „Befreiung“ Gedanken zu machen und Begriffe zu sammeln, die sie mit Gefühlen dieser Art assoziieren. Jeder der Jugendlichen bekam anschließend eine Einwegkamera von uns gestellt und wurde aufgefordert, innerhalb einer Woche Bilder zu den zusammengetragenen Begriffen aufzunehmen.

Da unser Ziel vor allem darin bestand, Denkprozesse und Diskussionen anzuregen, stellte das Nachbereitungstreffen den Hauptteil des Workshops dar. Zu Beginn des Treffens wurden jedem Jugendlichen die entwickelten Bilder zurückgegeben. Die Teilnehmer/innen wurden gebeten, sich jeweils ein Bild pro Themenfeld auszusuchen und dieses später in der Diskussionsrunde vorzustellen. In dieser bekam jede/r die Möglichkeit, die eigene Situation anhand seiner/ihrer Fotografien zu erklären und zu diskutieren. Gerade Gefühle und Stimmungen, die sich sprachlich oft nicht ausdrücken lassen, können so den anderen Teilnehmer/innen verständlich gemacht werden.

Die Ausstellung

Die Ausstellung eröffnete somit eine interkulturelle Sichtweise auf die Wahrnehmung von Jugendlichen in Deutschland und Uganda. Jede der ausgestellten Fotografien zeigte die individuellen Interpretationen der Teilnehmer/innen zu „Befreiung“ und „Unterdrückung“ im Alltag.

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Every Conflict bears a chance – Konflikt- Awareness und Friedliche Konfliktlösung in Uganda

Im Frühling 2008 führte Commit Berlin erstmalig ein Projekt in Kooperation mit dem Rainbow House of Hope Uganda und der Organisation Conflict Resolution by Youth durch.

Ziel des fünfwöchigen Programms war die Herstellung und Erweiterung des Bewusstseins für die Natur von Konflikten im näheren sozialen Umfeld von Jugendlichen und Schüler_innen, sowie die exemplarische Diskussion und Erarbeitung von Konfliktlösungsstrategien.

Das sechzehnköpfige Team (acht Teilnehmer_innen von Commit, acht Teilnehmer_innen der Partnerorganisationen) erarbeitete während eines einwöchigen Vorbereitungsworkshops ein gemeinschaftliches Programm, dass in den folgenden vier Wochen an Secondary-Schulen in Kampala und in der Nähe von Jinja, sowie mit Jugendlichen am Rainbowhouse durchgeführt wurde. Insgesamt nahmen mehr als 500 Jugendliche am Programm teil. Bei der Diskussion einer gemeinsamen Herangehensweise strebten wir einen Austausch an, der von der kulturellen Heterogenität und den unterschiedlichen Erfahrungen und Horizonten der einzelnen Teammitglieder profitieren sollte. Neben den fünftägigen Workshops führte das Team zudem mit einigen Teilnehmer_innen ein partizipatives Fotografieprojekt durch.

Hintergrund des Projekts

Die jüngere Geschichte Ugandas zeigt die Schwierigkeiten einer jungen Nation, welche von großer Heterogenität geprägt ist, ein friedliches Zusammenleben zu erreichen. Trotz einer zwanzigjährigen Phase von relativer Stabilität seit dem Machtantritt Musevenis bergen die Erinnerungen an die Gräuel der vorherigen Dekaden noch immer ein großes Spannungspotenzial in der Bevölkerung. Zwar beweisen sich die Anstrengungen der politischen Führung, für Ruhe und Sicherheit zu sorgen in weiten Teilen des Landes erfolgreich es besteht aber die Gefahr, dass der „Frieden von Oben" nur wirksam bleibt, solange die derzeitigen Führungskräfte ihren erfolgreichen Kurs fortsetzen können. Umso wichtiger ist deswegen eine Friedensarbeit, die auf der Graswurzelebene ansetzt und sich mit dem Umgang von Konflikten auf individuellem Niveau beschäftigt. Mit der Stärkung des Konfliktlösungspotenzials unter Jugendlichen und Schüler_innen bezweckt unser gemeinschaftliches Programm somit, einen Teil zu einer friedlichen Zukunft Ugandas beitragen zu können.

Ablauf der Workshops

Die Workshops wurden jeweils von Teams mit Vertreter_innen der einzelnen Organisationen durchgeführt. Nach der Erschließung der für die Jugendlichen relevanten Konflikte versuchten wir auf vielfältige Art und Weise ein größeres Verständnis für die Natur und Struktur von Konflikten zu erlangen, was zuletzt vor allem auf das Erkennen ihrer unterschiedlichen Gründe zielte. Der Methodische Schwerpunkt unseres Programms lag darüber hinaus auf der Anwendung von Forum Theater. Forum Theater ist eine Form des partizipativen Theaters, bei dem Konflikte, die aus dem individuellen Erfahrungshorizont der Teilnehmer stammen, zuerst thematisiert, dann gespielt und schließlich in einem weiteren Schritt problematisiert und eventuell – auf der Bühne – gelöst werden können. Diese Methode erwies sich zur Thematisierung von Konflikten aus der Perspektive der Teilnehmer_innen als sehr erfolgreich.

Bei der Programmgestaltung legte das Team den thematischen Fokus vor allem auf solche Konflikte, die aufgrund unterschiedlicher Identitäten innerhalb der ugandischen Gesellschaft resultieren oder die Teil von Genderverhältnissen sind. Beide Themenfelder wurden vom Team während des Einführungsworkshops ausgewählt. „Identity and Stereotyping" als Workshopthema ermöglichte es den Teilnehmer_innen einmal außerhalb des gesellschaftlichen Alltags über die Identitätszuschreibungen nachzudenken, die die verschiedenen Bevölkerungsgruppen trennen wie auch vereinen können und somit ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung einer friedlichen Gesellschaft sind. Die Beschäftigung mit „Gender Roles and Gender Equality" basierte auf dem Konsens des Teams, dass für eine friedvolle Gesellschaft die Beschäftigung mit Gender unerlässlich ist. Beide Themenkomplexe wurden von den Teilnehmer_innen mit großem Interesse aufgenommen.

Partizipative Fotografie

Neben den Workshops organisierte das Team eine einwöchige Fotografieausstellung mit dem Titel „Capturing Concerns. Capturing Perspectives" an der Makerere University Art Gallery. Die ausgestellten Fotografien resultierten aus einem partizipativen Fotoprojekt mit Teilnehmer_innen aus Berlin und Kampala. Die Ausstellung stärkte somit den Gedanken des interkulturellen Austauschs unseres Projektes. Die Fotografien, die Einblick in die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung von Problemen und Sorgen als auch von Zukunftsaussichten und Freuden der Jugendlichen bot, stießen auf großes Interesse. Im Sommer 2008 wird die Ausstellung nach Berlin kommen.

Ausblick

Die Zusammenarbeit mit unseren Partnerorganisationen in Kampala erwies sich als großer Erfolg. Wir hoffen unser Projekt im nächsten Jahr auf ähnliche Weise fortzusetzen zu können.

Projektblog

Unsere Partner in Uganda: Conflict Resolution by Youth Uganda und Rainbow House of Hope Uganda

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